Geschichte des LKV

Knapp drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, noch zur Zeit der alliierten Besatzungszonen, gründete sich der Landeskulturverband. Treibende Kraft war der Kieler Stadtrat Max Wittmaack, der auch erster geschäftsführender Vorsitzender wurde. Erster Präsident des LKV wurde der Maler Friedrich Karl Gotsch

Erklärte Ziele des Landeskulturverbandes:

  1. … alle Kräfte des Kultur- und Geisteslebens im Lande Schleswig-Holsteins in demokratischem und friedlichem Geiste zusammenzufassen
  2. gemeinsame Richtlinien erarbeiten
  3. in der Öffentlichkeit vertreten

In den ersten Jahren seiner Tätigkeit konzentrierte sich der Landeskulturverband auf den Aufbau einer kulturellen Infrastruktur, insbesondere im Bereich der Bildenden Kunst. Im Sinne seiner Ziele knüpfte er schnell Verbindungen zu den Europäischen Nachbarländern.

1948 – Erste Ausstellung von Arbeiten Schleswig-Holsteinischer Künstlerinnen und Künstler in Mürwik (1949 in Manchester, Liverpool, London als erste Deutsche Kunstausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg in England gezeigt)
1949 – Kunsterziehungswochen, Bildungsprogramme für Lehrerinnen und Lehrer
1950 – Deutsch-Skandinavische Herbsttage
1951 – Norddeutsche Festspiele, Tag des Schrifttums
1952 – Erste Landeskulturwoche in Schleswig
1953 – Zweite Landeskulturwoche in Rendsburg, Thema „Menschliche Existenz und Technik“
1954 – Wettbewerb junger bildender Künstler aus Schleswig-Holstein

Als sich der Verband der Bildenden Künstler Anfang der 1950er Jahre  festigte, verlegte der LKV seinen Fokus auf die Darstellenden Künste und etablierte mit „Begegnung“ eine Veranstaltungsreihe, die „Schleswig-Holstein als Teil des Europäischen Raumes“ begreifbar machen sollte – ungeachtet des sich im Laufe des Kalten Krieges abzeichenden „Eisernen Vorhangs“

1956 Kulturtage Berlin – Schleswig-Holstein
1958 „Begegnung“ mit der DDR
1958-1971 „Schleswig-Holsteinische Theatertage“
1963 „Begegnung“ mit Schweden
1965 „Begegnung“ mit Polen
1966 „Begegnung“ mit der „Tschecho-Slowakei“
1967 „Begegnung“ mit Ungarn

Der LKV wandte sich in dieser Zeit stärker grundsätzlichen gesellschaftlichen Fragen und Fragen des Kulturbetriebes und der Kulturvermittlung zu und veranstaltete Tagungen  zu aktuellen kulturpolitischen Themen wie „Kulturelles Lernen“, „Kunst- und Kunstbetrieb“, „Kunstpädagogik in Schleswig-Holstein“, „Heimat“, „Kunst am Bau“, „Der kulturelle Auftrag des Rundfunks“, „Kultur zwischen Großstadt und Provinz“ und 1983 schließlich: „Kulturpolitik für Schleswig-Holstein“

Außerdem war der LKV in die Entwicklung der Lübecker Musikhochschule, der Fachhochschule Kiel und des Literaturhauses Schleswig-Holstein involviert und begleitete das kulturelle Leben sowie den Einsatz öffentlicher Fördermittel mit kritischer Aufmerksamkeit.

Allmählich wurde „Kultur“ auch ein öffentlich diskutiertes Thema. Nach einer ersten Landtagsdebatte 1982 legte der LKV ein umfangreiches Positionspapier vor, 1985 legte die Landesregierung ein Kulturprogramm auf. 

Der LKV sah vor diesem Hintergrund seine Aufgabe vornehmlich darin, die qualitative Entwicklung der Kultur im Lande voranzutreiben. Instrument dafür: Die Veranstaltungsreihe „Kultur aktuell“ und ein gleichnamiger Preis, der, später unter dem Namen „Norddeutscher Kulturpreis“, bis 2009 verliehen wurde.

Außerdem veranstalte der LKV von 1990 bis 2000 die „Schleswig-Holsteinischen Kulturtage“ an wechselnden Veranstaltungsorten im Land:

1991 Eckernförde
1992 Bad Oldesloe, Bad Segeberg, Brunsbüttel
1993 Itzehoe & Glückstadt, Geesthacht
1994 Reinbek
1995 Elmshorn, Norderstedt
1996 Friedrichstadt
1997 Leck & Niebüll
1999 Kreis Herzogtum Lauenburg
2000 Dithmarschen

Angesichts gekürzter Kulturhaushalte stellt der LKV wiederholt die Frage nach der Finanzierung von Kultur und blickt dabei nicht nur auf die öffentliche Hand. In Arbeitstagungen wurden „Kulturförderung“, „Musikfinanzierung“, „Kulturmarketing“ oder das Beziehungsgeflecht „Kultur – Tourismus – Wirtschaft“ diskutiert. 

Mit regelmäßigen Fragenkatalogen und Stellungnahmen begleitet der LKV die Kulturpolitik der Landesregierungen kritisch. Als „Stimme der Kultur“ setzt sich der LKV gegenüber der Politik für die Interessen seiner Mitglieder ein.

Der LKV hat sich als konstruktiver und kritischer Gesprächspartner für die Kulturpolitik und als kompetenter Ansprech- und Netzwerkpartner für Kulturschaffende und -institutionen im Land etabliert. 

Mit regelmäßigen Veranstaltungen zu aktuellen kultur- und gesellschaftspolitischen Themen gibt der LKV gibt der wichtige Impulse für die kulturelle Arbeit und das kulturelle Schaffen im Lande. 

Seit 2017 koordiniert der LKV die Arbeit der sieben im Land eingerichteten Kulturknotenpunkte

Der LKV fühlt sich nach wie vor den zu seiner Gründung erklärten Zielen verbunden und hat sich 2018 federführend für eine schleswig-holsteinische Erklärung im Rahmen der Kampagne für Freiheit von Kunst und Kultur des Vereins DieVielen e.V. eingesetzt.

Die Übersicht basiert zu großen Teilen auf dem Aufsatz „60 Jahre Landeskulturverband Schleswig-Holstein“ von Jutta Kürz in: Dr. Bernd Brandes-Druba (im Auftrag des Landeskulturverbandes Schleswig-Holstein): 60 Jahre Landeskulturverband Schleswig-Holstein. Erinnern Bewahren Entwickeln. 100 Blicke auf die Kultur im Norden, Wachholtz Verlag, Neumünster 2010.