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Kulturpolitische Bilanz 2011: ein Jahr des Stillstandes

Von: Landeskulturverband Schleswig-Holstein

Theater:
Es gab weder eine Lösung für eine nachhaltige Finanzierung der drei Mehrspartentheater noch eine Lösung für die dem S-H Landestheater fehlende Spielstätte in Schleswig. Die Finanzierung der Freien Theater ist weiterhin äußerst volatil.

Öffentliche Büchereien:
Die Landeszuschüsse blieben weiterhin eingefroren; eine dynamische Anpassung der Finanzierung über das Finanzausgleichsgesetz ist weiterhin überfällig und die politische Diskussion über ein Landes-Bibliotheksgesetz ist nicht vorangekommen.

Erwachsenenbildungsstätten:
Die Zuschusskürzungen des Landes wurden fortgesetzt und bringen die Bildungsstätten in Existenznot. Die Volkshochschulen und ihr Landesverband setzen ihr zukunftsweisendes Strukturprojekt 2020 fort.  

Denkmalschutz:
Kurz vor Jahresschluss wurden der Schleswig-Holsteinische Denkmalschutz verwässert und die Denkmalschutzbehörden geschwächt. Es wird erhebliche Verluste in der  kulturtouristischen Inwertsetzung geben.

Soziokultur:
Die Deckelung bzw Überrollung der Sozio-Kulturförderung hat zur Folge, dass immer mehr Menschen von der kulturellen Teilhabe ausgeschlossen werden. Insbesondere Jugend- und Integrationsarbeit wird damit sträflich vernachlässigt. 

Musik:
Die meisten institutionell geförderten Musikinstitutionen des Landes von Musikschulverband bis Schleswig-Holstein Musik Festival wurden 2011 empfindlich gekürzt. Die Zukunft vieler elementarer musikalischer Projekte ist langfristig ungewiss.

Musikschulen:
Durch die Schulzeitverdichtung (Ganztag/ G8) braucht die außerschulische Bildung, z.B. der Musikschulen, zeitliche und räumliche Freiräume. Mit der Kündigung des Musikschultaler-Vertrages durch das Schleswig-Holstein Musikfestival fehlen jährlich ca. 100.000 € für zusätzliche musikalische Maßnahmen und Projekte mit Kindern und Jugendlichen im Land.

Museen:
Die finanziellen Handlungsspielräume sind weiter eingeengt worden, so dass die Grundaufgabe des Sammelns, Bewahrens, Erforschens und Vermittelns auch in den großen Häusern des Landes nicht mehr wahrgenommen werden können. Dies wird nachhaltige negative Folgen auf Jahrzehnte haben.

Minderheitenpolitik:
2011 war ein Jahr des Rückschrittes. Beim Nordfriesischen Institut „sparte“ das Land 30.000,- Euro ein und setzte damit die Arbeitsfähigkeit des Instituts aufs Spiel. Durch die Kürzung der Landeszuschüsse für die dänischen Schulen wurde viel Porzellan zerschlagen. Peinlicherweise scheiterte auch der vierte Versuch, die Sinti und Roma in den Minderheitenartikel der Landesverfassung aufzunehmen.

Kulturpolitik:
Eine strategische Kulturentwicklungsplanung wurde von den Regierungsparteien wieder nicht in Angriff genommen. Lockere Diskussionen in sogenannten Kulturkonferenzen des Ministeriums bringen uns nicht weiter.