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Inbegriffe des Nordfriesischen
Kanon der nordfriesischen Kultur: Schwerpunkt-Projekt des Nordfriisk Instituut
BREDSTEDT (NfI). Was ist friesische Kultur? Worin spiegelt sie sich? Was sind ihre unverzichtbaren Bestandteile? Mit diesen Fragen befasst sich das Bredstedter Nordfriisk Instituut im Rahmen des Projekts „Kanon der nordfriesischen Kultur“, das im Arbeitsjahr 2010 einen Schwerpunkt bildet. Es wird gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien über den Friesenrat.
Um die Bestandteile eines „Kultur-Kanons“ zu ermitteln, führte das Institut in früheren Jahren Umfragen durch, so unter den Lesern der Vierteljahresschrift „Nordfriesland“, Schülern, Studierenden, Landfrauen und unter aktiven Mitgliedern der friesischen Vereine. Aus dem, was als Inbegriffe des Nordfriesischen genannt wurden, wurde dann ein aus zwölf Bereichen bestehender Kanon abgeleitet.
Ein Element bildet die friesische Besiedlung entlang der Nordseeküste und die darauf beruhenden aktuellen Beziehungen zwischen West-, Ost- und Nordfriesland. In einem weiteren Kapitel sind die friesische Sprache und die Vielfalt der in Nordfriesland alteingesessenen Sprachen zusammengefasst. Vielfältig wie kaum irgendwo sonst ist die Bauernhauslandschaft in der Region, auch sie ein Kapitel des Kanons. Das Thema Landgewinn und Landverlust wirkt wie ein roter Faden der friesischen Geschichte. Eng damit verknüpft sind die technische Entwicklung der Entwässerung, der Deichbau und die Organisation der Deichunterhaltung. Diese genossenschaftliche Organisation bildet eine wesentliche Basis für die politische Eigenverantwortung in den friesischen Marschen. Zusammen mit den Kapitänen bilden die Marschbauern eine Kanon-Einheit, in der es um die Tradition der „Friesischen Freiheit“ und der Selbstverwaltung geht.
Seefahrer auf allen Meeren, Auswanderer, die auch in der Fremde die friesische Sprache beibehalten, Missionare, sie alle stellten eine Verbindung her zwischen dem kleinen Nordfriesland und der großen Welt. Zum Kernbestand des Kanons gehören Leben und Wirken in Nordfriesland verwurzelter Persönlichkeiten, die in die Welt hinauswirkten, wie der Wobbenbüller Revolutionsdichter Harro Harring, der Langenhorner Philosoph Friedrich Paulsen, der Oldensworter Soziologe Ferdinand Tönnies, sie bieten Gelegenheit, über friesisches Selbstbewusstsein nachzudenken. Die Halligen und das Wattenmeer sind ein weltweit einmaliger Natur- und Kulturraum. Bräuche wie vor allem das Biikebrennen sind Anlässe, bei denen sich die Friesen als Friesen wahrnehmen und als Friesen wahrgenommen werden,l und als solche ebenfalls wichtiger Bestandteil des Kanon. Das Bild Nordfrieslands in der Kunst ist ein weiteres Kapitel, ebenso die Spur der vielgestaltigen Region in der Literatur.
Der Kreis Nordfriesland, in dem 1970 erstmals alle nordfriesischen Siedlungsgebiete – mit Ausnahme der Insel Helgoland – in einer Gebietskörperschaft zusammengefasst wurden, begeht in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Ein wichtiges Argument gegen das Aufgehen des Kreises in einer größeren Verwaltungseinheit in der Diskussion des Jahres 2007 war seine eigenständige kulturelle Ausprägung. Der Kanon soll übersichtlich und anschaulich gestaltete Materialien bieten, mit denen die Anknüpfungspunkte der „Kultur-Persönlichkeit“ Nordfriesland konkret untermauert werden können, sei es zur allgemeinen Information, sei es im Unterricht, sei es im politischen Gespräch.
Anregungen und Ideen dazu, was außer den genannten Themen in einen „Kanon der nordfriesischen Kultur“ hineingehören sollte, nimmt das Institut weiterhin entgegen. Ansprechpartner sind Prof. Dr. Thomas Steensen und Fiete Pingel. Nordfriisk Instituut, Süderstr. 30, 25821 Bräist/Bredstedt, NF; Tel.: (04671) 60120; Fax: (04671) 1333; E-Mail: pingel(at)nordfriiskinstituut(dot)de.
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