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Appell zur finanziellen Sicherung des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters mit der bestehenden Spartenvielfalt
Rolf Teucher wendet sich im Namen des Landeskulturverbandes mit folgendem Schreiben an die Fraktionen des Schleswig-Holsteinischen Landtages:
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Namen des Landeskulturverbandes Schleswig-Holstein appelliere ich mit größter Dringlichkeit an den Landtag, durch einen Beschluss zur Erhöhung und dauerhaften Dynamisierung der FAG-Mittel die finanzielle Basis des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters mit den Sparten Musiktheater (Oper, Operette, Musical), Ballett, Sinfonieorchester, Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater, Puppentheater und Theaterpädagogik zu sichern.
Die Gesellschafter des Landestheaters haben am 26.06.2009 trotz der schwierigen kommunalen Haushaltsentwicklung eine Erhöhung und Dynamisierung ihrer Gesellschafterbeiträge beschlossen. Dieser Beschluss wurde in der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am 10.02.2010 bekräftigt.
Um das Landestheater mit seiner Spartenvielfalt und das flächendeckende Theaterangebot für die Region Schleswig-Holstein nachhaltig zu bewahren, ist jedoch auch die Erhöhung und Dynamisierung der Landesmittel erforderlich, wovon die Gesellschafter der Theater-GmbH in ihrem Konzept zur Liquiditätssicherung bis 2015 ausgehen.
Die Belegschaft des Landestheaters hat in den vergangenen Jahren durch einen Haustarifvertrag auf Lohnbestandteile in Höhe von insgesamt 1,4 Mio. € verzichtet und ist bereit, wiederum einen Beitrag zur Sicherung des Landestheaters – und damit zur Sicherung des Theaterangebots wie der Arbeitsplätze – zu leisten, wenn auch die Landesregierung bereit ist, ihre Verantwortung für das Landestheater wahrzunehmen.
80-85% der Kosten eines Theaterbetriebes sind Personalkosten, die in Abhängigkeit von der Tarifentwicklung des öffentlichen Dienstes steigen und nicht durch Erhöhungen der Eigeneinnahmen kompensiert werden können. Ebenso wenig können die Personalkosten in einem künstlerischen Betrieb durch Stellenabbau gesenkt werden, ohne gravierende Substanzverluste in Kauf zu nehmen: Eine Produktivitätssteigerung ist – im Gegensatz zu materiellen Produktionsprozessen – nicht möglich, weil die Bühnenaufführung künstlerischer Werke nur mit einer bestimmten Besetzung, d.h. mit einer bestimmten Anzahl von Künstlern, Bühnentechnikern und Hauspersonal, zu realisieren ist.
Dem Land kommt die Aufgabe zu, mit den über das FAG zu verteilenden Steuereinnahmen regionale Benachteiligungen auszugleichen. Das Landestheater hat es mit seiner dezentralen Struktur und dem großen Spielgebiet besonders schwer im Hinblick auf Werbung, Marketing und Identitätsstiftung. Dennoch hat es sich seit seiner Gründung 1974 zu einem Erfolgsmodell entwickelt. Wie die aktuelle Solidaritätskampagne beweist, unterstützen nicht nur die aktiven Theaterbesucher ihr Landestheater, sondern eine breite Mehrheit der Bevölkerung im gesamten Spielgebiet.
Sehr geehrte Damen und Herren Landtagsabgeordnete, mir ist bekannt, dass die Fraktionen der SPD, der Bündnis 90-Die Grünen und des SSW einen gemeinsamen Antrag in die Landtagsdebatte einbringen werden, der zumindest für die nächsten 3 Jahre eine Dynamisierung der FAG-Mittel für die Theater fordert.
Meine Bitte richtet sich an alle Fraktionen: Nehmen Sie Ihre Verantwortung für den Erhalt künstlerischer und kultureller Einrichtungen und speziell für den Erhalt des Landestheaters wahr!
Der Landeskulturverband fordert Sie auf, durch eine Erhöhung und dauerhafte Dynamisierung der FAG-Mittel die künstlerische Substanz des Landestheaters und zugleich die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zu sichern!
f d Landeskulturverband Schleswig-Holstein
Rolf Teucher

