Kulturpolitischer Abend

"Kulturpolitik in Schleswig-Holstein: Was bleibt? Was kommt? am 21. Februar 2017 im Landeshaus Kiel

Kulturpolitik in Schleswig-Holstein: Was bleibt? Was kommt? unter diesem Motto stand der gestrige Abend im Landeshaus. Der Landeskulturverband Schleswig-Holstein e.V., das Kulturforum Schleswig-Holstein e.V. und die Kulturpolitische Gesellschaft Regionalgruppe Schleswig-Holstein haben am 21. Februar 2017 einen kulturpolitischen Abend zu eben diesem Thema im Schleswig-Holstein Saal des Landeshauses in Kiel veranstaltet.

Rund 120 Akteure aus der schleswig-holsteinischen Kultur und Politik haben am heutigen Abend nicht nur auf die letzte Legislaturperiode zurückgeblickt sondern sich mit dem Blick in die Zukunft beschäftigt. Hierzu gab es drei aufeinanderfolgende Diskussionsrunden, in denen nach dem Fish-Bowl-Prinzip diskutiert werden konnte.

Ministerin Anke Spoorendonk zog in ihrem Grußwort Bilanz über den Kulturdialog, die Kulturperspektiven und andere Neuerungen in ihrer Zeit als Kulturministerin. Sie betonte, dass all diese Prozesse fortgeführt werden sollen um eine Nachhaltigkeit in der Kultur zu bewahren. Was kommt? Die Ministerin wünscht sich eine Verstetigung der kulturellen Förderung und eine Fortsetzung des Kulturdialogs denn „der Kulturdialog war und ist nie beendet und wird nie beendet sein. Denn eines ist sicher: Kulturleute können nicht ohne Gespräche auskommen.“

Der Vorsitzende des Landeskulturverbandes Schleswig-Holstein e.V. (LKV) Guido Froese, der die Moderation des Abends übernommen hat berichtet über die Vielzahl von Konzepten und Gesprächsrunden an denen er in seinen zehn Jahren hier in Schleswig-Holstein mitgearbeitet und teilgenommen hat und wie wenig davon überhaupt und wenn dann nur in Teilen umgesetzt wurden. Die aus dem Kulturdialog der Küstenkoalition entstandenen Kulturperspektiven und deren Umsetzung sind ein sehr guter Schritt in die Zukunft der Kultur des Landes. Eines so sagte Froese haben die verschiedenen Kulturakteuren in den letzten Jahren vermehrt bekommen: „Wertschätzung. Das haben wir bekommen, nicht nur von der Ministerin sondern auch in der Kulturabteilung.“

Nach der Begrüßung durch die Ministerin Anke Spoorendonk und Guido Froese wurde zu den Themen regionale Kulturarbeit und kulturelle Bildung diskutiert, bevor dann in der dritten Runde schließlich mit den Fragen „Was bleibt? Was kommt?“ der Ausblick auf die Zukunft der Kulturpolitik in Schleswig-Holstein gewagt wurde.

In der ersten Runde wurde über die Vernetzung der Kulturarbeit und der Kulturschaffenden im ländlichen Raum gesprochen, hier waren vor allem die durch die Ministerin ins Leben gerufenen Kulturknotenpunkte ein großes Thema. Die mittlerweile sieben Kulturknotenpunkte wurden durch die an der Gesprächsrunde teilnehmenden Gäste vielschichtig beleuchtet und teilweise auch sehr kontrovers diskutiert. Einig waren sich aber alle: Die Kultur in den ländlichen Räumen muss verstärkt vernetzt werden, damit so Kooperationen entstehen können. „Schleswig-Holstein“, so zitierte Kilian Lembke, Schatzmeister des LKV, die Kulturabteilung des MJKE „ist zu klein für Konkurrenz“.

In Runde zwei sprachen Akteure aus der kulturellen Bildung über aktuelle Herausforderungen in ihrer Arbeit und darüber wieviel Raum kulturelle Bildung in Schulen haben soll und muss. Kritisiert wurde hier vor allem die Marginalisierung der kulturellen Bildung in den Schulen, so sind Fächer wie Kunst und Musik in Schleswig-Holstein nur noch Kontingentstunden und oft von Ausfall betroffen. Alexander Luttmann, Geschäftsführer der Landesvereinigung Kulturelle Kinder & Jugendbildung e.V. (LKJ), merkt dazu an, dass kulturelle Bildung nicht nur in Schulen stattfinden kann und darf, denn „alles was in Schule stattfindet ist Schule und somit in der Regel nicht freibestimmt“. Gute Projekte innerhalb und außerhalb von Schulen für Kinder und Jugendliche mit und ohne Flucht- und Migrationshintergrund gibt es bereits in Schleswig-Holstein. Problematisch ist aber gerade in Bezug auf die ländlichen Räume in Schleswig-Holstein ist meist nicht das Angebot an kultureller Bildung sondern schlichtweg die nicht ausreichende Infrastruktur in Form von regelmäßigem öffentlichem Personennahverkehr, etc.

Die letzte Runde sollte dann themenbergreifend Bilanz ziehen: Was bleibt? Was kommt? Vielleicht sogar: Was kann weg? Lobend hervorgehoben wurde an dieser Stelle die Kontraktförderung für Kulturinstitutionen, die ein sehr guter Anfang ist, aber Verbesserungsbedarf hat. Kritisiert wurden die oft sehr komplizierten Anträge und die bürokratischen Schwierigkeit die es erschweren beispielsweise Micro-Förderungen zu vergeben, so Torge Korff, Leiter des Kulturbüros Flensburg, und Günter Schiemann, Geschäftsführer der LAG Soziokultur. „Was wir brauchen ist Raum, Geld und Zeit“ so Merle Lungfiel-Bakir, Geschäftsführerin des LKV, „Projekte laufen manchmal sehr gut und manchmal muss man auch scheitern dürfen, denn gerade im ständigen Austausch miteinander und dem lernen voneinander, können wir uns weiterentwickeln und die Kultur im Land stärken.“

Auch die vertretenden kulturpolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen wollen den künftigen Dialog fortführen und die bestehenden Strukturen stärken. Durch nachhaltige Strukturen entstehen Synergieeffekte.

Was auf jeden Fall bleibt: Wir reden miteinander. Der Austausch der Kulturakteure miteinander und mit den Vertretern der Politik ist rege wie lange nicht. Kultur ist wieder auf der Tagesordnung.

Nach einem kurzen Schlusswort von Jutta Johannsen, Sprecherin der Landesgruppe Schleswig-Holstein der Kulturpolitischen Gesellschaft, konnten die anwesenden Gäste dann auch dem nachkommen, was Ministerin Anke Spoorendonk bereits in ihrem Grußwort angesprochen hat: Dem ständigen Austausch und der Vernetzung miteinander.

Eine Dokumentation von Merle Lungfiel-Bakir

Der Offene Kanal Schleswig-Holstein hat die gesamte Veranstaltung aufgezeichnet.
Die Aufzeichnung finden Sie in der Mediathek des OK: Hier

 

Der Kulturpolitische Abend fand statt mit freundlicher Unterstützung der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein.

 

Veranstalter

Landeskulturverband Schleswig-Holstein e.V.
Am Gerhardshain 44
24768 Rendsburg
Fon 04331/143842
Fax 04331/143841
info(at)landeskulturverband-sh(dot)de

www.landeskulturverband-sh.de

Kulturforum Schleswig-Holstein e.V.
Kleiner Kuhberg 28-30
24103 Kiel
Fon 0431/9060626
Fax 0431/9060621
info(at)kulturforum-sh(dot)de

www.kulturforum-sh.de

Kulturpolitische Gesellschaft Regionalgruppe Schleswig-Holstein e.V.
Klinkerwisch 24
24107 Kiel
jutta.johannsen(at)gmx(dot)de 

 

 

 

"Kulturpolitik in Schleswig-Holstein - Was bleibt? Was kommt?" - Kulturpolitischer Abend am 21. Februar 2017 im Landeshaus in Kiel

Die Kulturpolitische Gesellschaft Regionalgruppe Schleswig-Holstein, der Landeskulturverband Schleswig-Holstein und das Kulturforum Schleswig-Holstein laden Sie ganz herzlich ein zum diesjährigen kulturpolitischen Abend am 21. Februar 2017 um 18 Uhr nach Kiel ins Landeshaus, Düsternbrooker Weg 70 in 24105 Kiel.

Gemeinsam mit Ministerin Anke Spoorendonk möchten wir die Fragen zum Thema Kulturpolitik in Schleswig-Holstein: Was bleibt? Was kommt? beantworten. Nach einer kurzen Bilanz wollen wir mögliche Perspektiven für die kommende Legislaturperiode diskutieren. 

Besonders in den Fokus genommen werden sollen die Themen „Regionale Kulturarbeit“ und „kulturelle Bildung“. Dazu sind Kulturpolitikerinnen und Kulturpolitiker des Landes und der Kommunen sowie die Mitglieder der veranstaltenden Verbände eingeladen. Ministerin Spoorendonk wird den kulturpolitischen Abend mit einem Impulsvortrag eröffnen. Danach wird eine offene Diskussionsrunde nach dem Fish Bowl Prinzip durchgeführt, zu der alle Gäste und Mitglieder aufgerufen sind sich zu beteiligen.

Nach einem Resümee durch Jutta Johannsen gibt es im Anschluss bei einem kleinen Imbiss und Getränken Gelegenheit für Austausch und Gespräche.

Den Link zur Einladung finden Sie hier.

 

Um Anmeldung wird gebeten:
Landeskulturverband Schleswig-Holstein e.V.
Merle Lungfiel-Bakir
Am Gerhardshain 44
24768 Rendsburg
Fon 04331/143842
Fax 04331/143841
info(at)landeskulturverband-sh(dot)de
www.landeskulturverband-sh.de

Die Veranstaltung findet statt mit freundlicher Unterstützung der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein.

 

 

Kulturpolitischer Abend „Kultur macht mobil“ am 4. Juni 2013 im Landeshaus, Kiel

Der Landeskulturverband Schleswig-Holstein e.V., das Kulturforum Schleswig-Holstein e.V. und die Kulturpolitische Gesellschaft Regionalgruppe Schleswig-Holstein haben gemeinsam einen Kulturpolitischen Abend „Kultur macht mobil“ am 4. Juni 2013 im Schleswig-Holstein-Saal des Landeshauses in Kiel veranstaltet.

Am 17. Mai 2013 hat Anke Spoorendonk, Ministerin für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein, den Startschuss für den Kulturdialog „Kulturperspektive Schleswig-Holstein“ gegeben. Geplant ist ein transparenter und ergebnisoffener Prozess, aus dem ein verbindliches Kulturkonzept für Schleswig-Holstein hervorgehen soll.

Landeskulturverband, Kulturforum und Kulturpolitische Gesellschaft möchten sich an diesem Kulturdialog beteiligen und eine Plattform für die weitere Diskussion schaffen. Ministerin Spoorendonk hat beim Kulturpolitischen Abend „Kultur macht mobil“ am 4. Juni ihr Vorhaben ausführlich präsentiert und erstmals mit den Kulturakteuren im Land diskutiert. Die Rede der Ministerin finden Sie hier.

Bei den anschließenden Impulsreferaten wurde über die Landesgrenzen Schleswig-Holsteins hinausgeblickt, um Chancen und Risiken einer Kulturentwicklungsplanung zu beleuchten. Dr. Hans-Jörg Siewert, stv. Abteilungsleiter „Kultur“ im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur a.D., und Dr. Lutz Vogel, Oberbürgermeister und Beigeordneter für Kultur der Stadt Dresden a.D., haben von ihren Erfahrungen aus dem Bereich der beteiligungsorientierten und regionalisierten Kulturentwicklungsplanung berichtet.
Den Kulturentwicklungsplan der Landeshauptstadt Dresden finden Sie hier; kontinuierliche Informationen zum KEK (Kulturentwicklungskonzept) des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur erhalten Sie hier auf der entsprechenden Internetseite.

Bei der moderierten Podiumsdiskussion mit Ministerin Spoorendonk, Dr. Martin Lätzel, der im Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein u.a. für den Kulturdialog zuständig ist, und den beiden Referenten betonte die Ministerin, dass der Kulturdialog keineswegs Kürzungen legitimieren solle. Zunächst gehe es ihr darum, Vertrauen aufzubauen und das „Wir-Gefühl“ zu stärken. Die Ministerin rief die Kulturakteure dazu auf, den Kulturdialog zu nutzen, um sich zu vernetzen und sich aktiv in die Gestaltung des geplanten Kulturkonzeptes mit einzubringen.

Auch diejenigen Kulturschaffenden, die nicht an den Arbeitsgruppen teilnehmen, können sich beteiligen. Aktuelle Informationen sowie die Protokolle der Arbeitsgruppen sind jeweils auf der Website www.schleswig-holstein.de/kulturdialog zu finden. Dort ist zudem eine Kommentarfunktion eingerichtet; alle Beiträge werden ebenfalls in die Diskussion mit einfließen.
Zudem sollen die Kommunen frühzeitig in den Prozess mit eingebunden werden.

Im Laufe der Diskussion ging es u.a. um das Problem der Abschaffung von Ziel- und Leistungsvereinbarungen zugunsten der Projektförderung. Aufgrund aufwändiger Anträge, Finanzpläne und Verwendungsnachweise wird die Ehrenamtlichkeit massiv erschwert. Die Ministerin erkennt die Problematik und möchte sich dafür einsetzen, dass der Kulturdialog dazu beiträgt, institutionelle Förderung und somit Planungssicherheit für die Kultureinrichtungen zu ermöglichen.

Die Referenten Dr. Siewert und Dr. Vogel begrüßen die Pläne der Ministerin. Ein Kulturkonzept könne ein Umdenken in der Politik bewirken und dazu führen, dass kulturpolitische Sprecher an Ansehen gewinnen und Haushaltsentscheidungen zugunsten der Kultur beeinflussen können.
Allerdings wiesen sie auch auf Schwierigkeiten hin, u.a. wird der enge Zeitplan der Ministerin kritisch betrachtet. Zudem wurde betont, dass ein Kulturkonzept für Schleswig-Holstein ganz individuell auf das Land zugeschnitten sein müsse, um die Besonderheiten des Landes herauszustellen und das „Wir-Gefühl“ zu stärken.

Die Diskussion am 4. Juni im Landeshaus war bereits Teil des Kulturdialogs, die Ministerin und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Impulse für die weitere Diskussion gesammelt.

Eine Dokumentation von Katharina Perrey

 

Der Offene Kanal Schleswig-Holstein hat die gesamte Veranstaltung aufgezeichnet. Die Aufnahme ist on demand verfügbar unter: http://www.okkiel.de/ki/sehen/sehen_on_demand/index.php.

Der Kulturpolitische Abend „Kultur macht mobil“ fand statt mit freundlicher Unterstützung der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein.

 

Veranstalter

Landeskulturverband Schleswig-Holstein e.V.
Am Gerhardshain 44
24768 Rendsburg
Fon 04331/143842
Fax 04331/143841
info(at)landeskulturverband-sh(dot)de

www.landeskulturverband-sh.de

Kulturforum Schleswig-Holstein e.V.
Kleiner Kuhberg 28-30
24103 Kiel
Fon 0431/9060626
Fax 0431/9060621
info(at)kulturforum-sh(dot)de

www.kulturforum-sh.de

Kulturpolitische Gesellschaft Regionalgruppe Schleswig-Holstein e.V.
Klinkerwisch 24
24107 Kiel
jutta.johannsen(at)gmx(dot)de

 

 

Bundesweiter Aktionstag "Kultur gut stärken" am 21.Mai 2012 Diskussionsabend mit Wolfgang Thierse, MdB

Welchen Wert hat Kreativität und welche Bedeutung kommt diesem Wert im politischen sowie im gesellschaftlichen Diskurs zu?

Diesen und weiteren Fragen widmeten sich rund 70 Akteure aus den Bereichen Kultur und Politik, die am 21. Mai in der Sparkassenakademie in Kiel zusammenkamen. Anlass war der zum zweiten Mal vom deutschen Kulturrat veranstaltete Aktionstag „Kultur gut stärken“, der dieses Jahr unter dem Motto „Wert der Kreativität“ stand. Organisiert wurde der Vortragsabend vom Kulturforum Schleswig-Holstein, der Kulturpoltischen Gesellschaft Regionalgruppe Schleswig-Holstein und dem Landeskulturverband Schleswig-Holstein. Als Referenten waren Prof. Dr. Johanna Wanka, die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur (CDU), und Wolfgang Thierse, der Vizepräsident des Deutschen Bundestages (SPD), eingeladen. Frau Wanka musste ihren Vortrag aus gesundheitlichen Gründen absagen. Somit übernahm Wolfgang Thierse die alleinige Rednerrolle.

Die Thesen zum Wert der Kreativität, die Wolfgang Thierse in seinem Vortrag entwickelte, waren Grundlage für die anschließende Diskussion. Ein Dialog auf Augenhöhe entstand zwischen Redner und Publikum, was nicht zuletzt dem Interesse des Redners an der Einschätzung der Anwesenden zu verdanken war. Immer wieder kreisten die Beiträge um die Außenwahrnehmung von kultureller Arbeit. Thierse beanstandete die mangelnde Wertschätzung der Arbeit: Das Internet suggeriere, dass „allen alles gehört“.

Ob eine Kulturflatrate sinnvoll sei? Die von der Piratenpartei angeregte Debatte um eine Erneuerung des Urheberrechts wurde von Stimmen aus dem Publikum als nicht politisches Thema gedeutet. Es handele sich hierbei vielmehr um ein Thema, das zwischen Künstlern und Verlagen, bzw. der Musikindustrie geklärt werden müsse. Verhalten war die Resonanz aus dem Publikum zur Idee dieser gesetzlich geregelten Pauschalabgabe, die den Rechteinhabern digitaler Inhalte zuteil werden soll. „Das würde nicht funktionieren“, hieß es aus dem Publikum, der Markt bestimme den Wert der Produkte. Die Internetanbieter selbst müssten Ideen entwickeln, wie sie ihre Produkte bezahlen könnten. Thierse meinte, die individuelle Zurechenbarkeit des Künstlers zu seinem Werk würde ausgelöscht, dies sei gefährlich.

Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde deutlich: Alle waren sich einig, kultureller Arbeit soll mehr Wertschätzung zuteil werden. Unmut herrschte vor allem über die stiefmütterliche Kulturfinanzierung des Landes – mit 0,3% des Gesamthaushalts bildet Schleswig-Holstein bundesweit das Schlusslicht in der Kulturfinanzierung. Thierse bezeichnete diesen Umstand als „beschämend“ und brachte es auf den Punkt: „Bei Kulturausgaben zu sparen ist ein schlechter Witz“, vor allem wenn man die ohnehin geringen Kulturausgaben betrachte. Auch Informationen aus dem Publikum über die Gespräche zu den Koalitionsverhandlungen waren alles andere als erfreulich. Wolfgang Thierse schlug vor, Kultur stärker über Bildung zu finanzieren und führte dabei ein viel zitiertes Beispiel von Kulturförderung durch Landesmittel an: „Jedem Kind ein Instrument“ – seit dem Schuljahr 2011/2012 wird das Projekt allein durch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen finanziert.

Die Worte des Redners zum Ende der Veranstaltung waren ein Appell an das (politische) Engagement der Kulturschaffenden in Schleswig-Holstein: „Mischt Euch ein!“. Es sei blamabel, wenn in einer neuen Regierung Kultur wieder ganz hinten anstünde. Und er betonte abermals: „Der wichtigste und einzige Rohstoff der Kulturschaffenden ist Kreativität.“ Die Unterschriftenaktion des Kulturrats zur kulturellen Vielfalt im Internet, sowie der Aufruf zu einer „Allianz für Kunst und Kultur“, initiiert vom Landeskulturverband Schleswig-Holstein, dem Kulturforum Schleswig-Holstein und der Kulturpolitischen Gesellschaft Regionalgruppe Schleswig-Holstein, sind aktuelle Beispiele eines verstärkten politischen Engagements.

 Eine Dokumentation von Christina Klempel

 

 

Bilder zur Vortragsveranstaltung "Kultur gut stärken"

 

Fotos: Dr. Imke Lüders, http://www.imke-lueders.de/

 

 

Allianz für Kunst und Kultur in Schleswig-Holstein - Stellungnahme der Parteien

Mit Sorge sehen wir, dass Kunst und Kultur in Schleswig-Holstein wegen der drastisch eingeschränkten finanziellen Handlungsspielräume des Landes und der Kommunen in Gefahr geraten auszubluten. Viele kulturelle Einrichtungen und Organisationen sind in ihrer Existenz gefährdet bzw. können ihre Aufgaben inzwischen nicht mehr so qualitativ hochwertig und innovativ wie bisher erfüllen. Schleswig-Holstein bildet bei der Kulturfinanzierung bereits heute das Schlusslicht in Deutschland; ohne die Mittel des kommunalen Finanzausgleichs sind es nur etwa 0,3% des Gesamthaushalts. Kunst und Kultur in Schleswig-Holstein verkraften deshalb keine weiteren Kürzungen.

Der Landeskulturverband Schleswig-Holstein, das Kulturforum Schleswig-Holstein und die Kulturpolitische Gesellschaft Regionalgruppe Schleswig-Holstein haben deshalb im Rahmen des Kulturpolitischen Abends „Kultur macht mobil“ am 27. September 2011 im Landeshaus Kulturinstitutionen, Künstler, Kulturschaffende und Kulturinteressierte aufgerufen, sich der Allianz für Kunst und Kultur in Schleswig-Holstein anzuschließen.

Gemeinsam fordern wir die politischen Mandatsträger im Land und in den Kommunen auf, sich an folgenden Grundsätzen zu orientieren:

  1. Kunst und Kultur sind entscheidend für die Persönlichkeitsentwicklung und Bildung des Einzelnen, für eine demokratische und friedliche Zukunft unserer Gesellschaft, für die Lebensqualität und die Wirtschaft in Schleswig-Holstein.
  2. "Kulturhoheit" ist der Kern der Eigenstaatlichkeit der Länder. Kunst und Kultur gehören deshalb zu ihren Kernaufgaben. Das gilt auch für Schleswig-Holstein.
  3. Kunst und Kultur bedürfen einer verlässlichen und verstetigten Mindestfinanzierung, die die Städte und Gemeinden, die Kreise und das Land als Gemeinschaftsaufgabe wahrnehmen müssen. Das Land Schleswig-Holstein stellt dabei mindestens einen Förderbetrag bereit, der sich am Mittel der Förderung von Kunst und Kultur pro Einwohner aller anderen Bundesländer orientiert. In den kommenden Jahren sind wenigstens die Tarifsteigerungen und die Steigerung der Lebenshaltungskosten aufzufangen.
  4. Land und Kommunen sichern Künstlerinnen und Künstlern Freiräume für kreatives Arbeiten. Sie stellen die notwendige kulturelle Infrastruktur bereit und tragen dazu bei, dass allen Bevölkerungsgruppen der Zugang zu Kunst und Kultur ermöglicht wird.
  5. Die Kommunen sind die wichtigsten Träger und Förderer von Kunst und Kultur. Das Land wird ihnen deshalb Anreize bieten, diese Aufgaben mit mittel- und langfristigen Perspektiven zu erfüllen. Ausgaben für Kunst und Kultur werden durch Haushaltssicherungskonzepte nicht eingeschränkt.
  6. Land und Kommunen stellen zur Planungssicherheit von Kunst und Kultur Kulturentwicklungspläne auf und aktualisieren sie. Dazu müssen kommunale und Landeskulturpolitik frühzeitig und ernsthaft den Dialog mit den Betroffenen und Beteiligten suchen. Ohne ihre intensive Partizipation ist keine breite gesellschaftliche Zustimmung für kulturpolitische Entscheidungen zu finden.

Um Innovation zu sichern und Raum für Neues zu schaffen, muss allerdings auch die bestehende Kunst- und Kulturlandschaft immer wieder kritisch hinterfragt, müssen kulturelle Einrichtungen und Förderungen überprüft, verbessert und inhaltlich weiter entwickelt werden.
Kulturpolitische Handlungsspielräume für neue Ideen und Aktivitäten können nur gewonnen werden, wenn Bestehendes, tradierte Normen und Standards diskutiert und ggf. zur Disposition gestellt werden.

In den Diskussionen am 27. September wurde immer wieder darauf hingewiesen – sowohl von den Kulturschaffenden als auch von den Politikern –, dass ein Dialog zwischen Kultur und Politik unerlässlich ist und Lösungsansätze nur gemeinsam gefunden werden können. Mit dieser Allianz wollen wir einen weiteren Schritt auf die Politik zugehen und den Dialog voranbringen.

Wir haben die Parteivorstände gebeten, zu unseren Grundsätzen Stellung zu beziehen und ihre kulturpolitischen Ziele für die kommende Legislaturperiode zu beschreiben.

Die Antworten finden Sie hier:
Bündnis 90/Die Grünen
CDU
FDP
SPD
SSW

 

 

Aufruf zur Allianz für Kunst und Kultur in Schleswig-Holstein

Der Landeskulturverband Schleswig-Holstein, das Kulturforum Schleswig-Holstein und die Kulturpoltische Gesellschaft Regionalgruppe Schleswig-Holstein haben am 27. September 2011 zu einem Kulturpolitischen Abend „Kultur macht mobil“ ins Landeshaus in Kiel eingeladen. Rund 130 Gäste sind der Einladung gefolgt, um ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen, zu diskutieren und den Dialog zwischen Kultur und Politik gemeinsam voranzutreiben. Wir freuen uns über das große Interesse an der Veranstaltung, die geführten Diskussionen sowie die vielen Impulse – auf dem Podium und in den Gesprächen hinterher.

Im Vorfeld dieses Kulturpolitischen Abends haben die drei Veranstalter einen Aufruf zur Allianz für Kunst und Kultur in Schleswig-Holstein verfasst, in dem Grundsätze formuliert sind, an denen sich die politischen Mandatsträger im Land und die Kommunen orientieren sollen.

Wir – der Landeskulturverband, das Kulturforum und die Kulturpolitische Gesellschaft – bitten Sie, der Allianz beizutreten. Wir freuen uns aber auch über ergänzende Anmerkungen und weitere Ideen, wie Kunst und Kultur in Schleswig-Holstein langfristig gesichert und voran gebracht werden können. Wir werden sie der Allianz beifügen.

Schicken Sie bitte alle Rückmeldungen an die Geschäftsstelle des Landeskulturverbandes, info(at)landeskulturverband-sh(dot)de, und teilen Sie uns mit, ob Sie sich der Allianz anschließen möchten.

Mit dem Beitritt zur Allianz sind keinerlei Verpflichtungen verbunden, es handelt sich dabei um eine Art Unterschriftenliste. Es ist geplant, die Allianz im Namen aller beigetretenen Institutionen, Künstler, Kulturschaffenden und Kulturinteressierten im Laufe des Wahlkampfs im kommenden Frühjahr an alle Parteien zu schicken und diese um Stellungnahmen zu bitten.

In den Diskussionen am 27. September wurde immer wieder darauf hingewiesen – sowohl von den Kulturschaffenden als auch von den Politikern –, dass ein Dialog zwischen Kultur und Politik unerlässlich ist und Lösungsansätze nur gemeinsam gefunden werden können. Mit dieser Allianz wollen wir einen weiteren Schritt auf die Politik zugehen und den Dialog voranbringen.

Wir freuen uns auf Rückmeldungen, Anregungen und weitere Diskussionen!

 

Jutta Johannsen
Vorsitzende der Kulturpolitischen Gesellschaft Regionalgruppe Schleswig-Holstein e.V.

Dr. Wolfgang Meyer-Hesemann
Vorsitzender des Kulturforums Schleswig-Holstein e.V.

Rolf Teucher
Vorsitzender des Landeskulturverbandes Schleswig-Holstein e.V.

 

Bitte schicken Sie Ihre Rückmeldungen an die Geschäftsstelle des Landeskulturverbandes:

Landeskulturverband Schleswig-Holstein e.V.
Katharina Perrey
Am Gerhardshain 44
24768 Rendsburg
Fon 04331/143842
Fax 04331/143841
info(at)landeskulturverband-sh(dot)de

 

 

Kulturpolitischer Abend am 27. September 2011 im Landeshaus

Der Landeskulturverband Schleswig-Holstein, das Kulturforum Schleswig-Holstein und die Kulturpoltische Gesellschaft Regionalgruppe Schleswig-Holstein haben am 27. September 2011 zu einem Kulturpolitischen Abend „Kultur macht mobil“ ins Landeshaus in Kiel eingeladen. Rund 130 Gäste sind der Einladung gefolgt, um ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen, zu diskutieren und den Dialog zwischen Kultur und Politik gemeinsam voranzutreiben.

Dr. Bernd Wagner, stellvertretender Geschäftsführer der Kulturpolitischen Gesellschaft aus Bonn, leitete den Abend mit seinem Vortrag „Kulturpolitik in Zeiten der Haushaltskonsolidierung“ ein. Mit provokanten Thesen setze er Impulse für die anschließenden Diskussionsrunden. Den Vortrag finden Sie hier.

Nach dem Vortrag sorgte die stimmgewaltige A-Capella-Gruppe „nur wir“ aus Kiel für das musikalische Rahmenprogramm. Die fünf charmanten Sänger begeisterten das Publikum mit ihren Stimmen und ihrem abwechslungsreichen Programm von ernsthaften bis zu humorvollen Stücken. Nach diesem erfrischenden Auftritt war das Publikum perfekt eingestimmt auf den weiteren Abend.

 

 

In der ersten Runde diskutierten Dr. Bernd Brandes-Druba (Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein), Oberbürgermeister Simon Faber (Stadt Flensburg), MdL Birgit Herdejürgen (finanzpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion) und MdL Werner Kalinka (CDU, Vorsitzender des Fraktionsarbeitskreises Innen und Recht) über gemeinsame Kulturverantwortung von Land, Kreisen, Kommunen und privaten Stiftungen.
Die Beteiligten waren sich einig, dass Kultur als Querschnittsaufgabe zu behandeln ist. Die engen finanziellen Spielräume sind ein großes Problem, könnten aber auch als Chance begriffen werden, um die Strukturen im Land zu überdenken und zu diskutieren. Um der Fraktionierungstendenz entgegenzuwirken, wird der Vorschlag gemacht, eine zentrale Stelle als Ansprechpartner für die Kultur im Land einzurichten. Eine der wichtigsten Forderungen der Kulturschaffenden – das wurde im Laufe der Gespräche immer wieder deutlich – ist langfristige Planungssicherheit für die kulturelle Arbeit. Es stellt sich die Frage, ob dies durch einen Kulturentwicklungsplan zu erreichen ist. Bei den Beteiligten herrscht zum Teil Skepsis. Die Kulturszene unterliegt einem ständigen Wandel, bedingt durch gesellschaftliche Veränderungen. Die Erwartungen und Ansprüche der Rezipienten ändern sich stets, und mit ihnen wandelt sich auch das kulturelle Angebot. Ein Kulturentwicklungsplan könne diese Entwicklungen nicht ausreichend berücksichtigen und würde daher möglicherweise die Planung behindern.
Es wird auf den Aufruf zur Allianz für Kunst und Kultur in Schleswig-Holstein hingewiesen, den Landeskulturverband, Kulturforum und Kulturpoltische Gesellschaft im Vorfeld der Veranstaltung formuliert haben; darin wird bereits hervorgehoben, dass ein Dialog zwischen Kultur und Politik unerlässlich ist und Lösungsansätze nur gemeinsam gefunden werden können.
Anschließend wird die Diskussion auf das problematische Thema der Qualität im Kulturbereich gelenkt. Dieses Thema sei zwar unbequem aber notwendig, da Qualität meist nicht von der Größe der Institutionen abhänge und auch Kultur auf Qualität überprüft werden müsse, vor allem, wenn es um Kulturfinanzierung gehe. Dabei stellt sich die Frage, welche Rolle der Markt spielen darf. Viele Institutionen sind von hohen Besucherzahlen abhängig, können sich aber keine ausgebildeten Mitarbeiter für den Bereich Marketing leisten. Ein Lösungsansatz wäre die Zusammenfassung verschiedener Häuser, um auf diese Weise Synergien entstehen zu lassen, die beispielsweise ein umfangreiches Marketing zulassen. Wichtig dabei sei jedoch, dass Qualität bestehen bleibe.

In der zweiten Podiumsdiskussion sprachen die kulturpolitischen Sprecher aller sechs Landtagsfraktionen, MdL Kirstin Funke (FDP), MdL Dr. Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), MdL Heinz-Werner Jezewski (DIE LINKE), MdL Hans Müller (SPD), MdL Anke Spoorendonk (SSW) und MdL Wilfried Wengler (CDU), über Anforderungen an die Aufstellung eines Kulturentwicklungsplanes für Schleswig-Holstein.
Die Diskussion um einen Kulturentwicklungsplan verlief kontrovers. Zum einen wurde hervorgehoben, dass Kulturpolitik keinen qualitativen Begriff von Kultur definieren dürfe. Es sei daher die falsche Herangehensweise, von den Kulturpolitikern einen Kulturentwicklungsplan zu fordern, da sich die Politik vor allem auf kulturelle Leuchttürme konzentriere. Zum anderen wurde eine Bestandsaufnahme der Kultur in Schleswig-Holstein sowie ein Kulturkonzept gefordert, um eine Grundlage für weitere Gespräche über die Strukturen im Land zu bilden und eine Basis für planvolles Handeln zu schaffen. In Hinblick auf die notwendige Planungssicherheit für Kultureinrichtungen sei unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Entwicklungen ein Kulturentwicklungsplan unbedingt erforderlich.
Auch in dieser Runde wurde betont, dass ein derartiges Kulturkonzept nur im Dialog mit den Kulturschaffenden entstehen könne, denn Kulturpolitiker seien keine Kulturexperten und auf Unterstützung der Kulturakteure angewiesen. Denkbar wäre beispielsweise eine Art „Kulturrat“, bestehend aus Vertretern von Kulturinstitutionen und -verbänden sowie Künstlern als zentraler Ansprechpartner für die Politik.
Im Laufe der Diskussion kommt die Frage auf, ob ein Kulturentwicklungsplan einer Planwirtschaft gleichkomme. Tenor unter den Diskutanten ist, dass Ziele und Leitlinien für die Politik formuliert werden müssten, die Politik jedoch nicht allein entscheiden dürfe und die Diskussion mit den Beteiligten unverzichtbar sei. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass es insofern immer Planwirtschaft gebe, als sich die Politiker stets nach dem jeweiligen Haushaltsplan richten müssten. Es wird erneut herausgestellt, dass auch in der Kultur die Frage nach Qualität unumgänglich sei.
Gleichzeitig seien die Kulturpolitiker gefordert, auf die Kultur zuzugehen, dort präsent zu sein, wo kulturell gearbeitet wird.

In der dritten Podiumsdiskussion tauschten Vertreter verschiedener Kulturinstitutionen sich zum Thema „Widerstand und / oder Anpassung“ aus. An der Runde beteiligten sich Dr. Ralf Klöter (Theater Kiel), Dr. Martin Lätzel (Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins), Günter Schiemann (LAG Soziokultur Schleswig-Holstein), Antje Schmidt (Altonaer Museum) und Reinhard Take (Freundeskreis Stadtgalerie Kiel).
Zu Beginn der Diskussion wird der Einwand hervorgebracht, dass weder Widerstand noch Anpassung der richtige Weg sei. Es müsse ein dritter Weg eingeschlagen werden, nämlich Innovation.
Der Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins hat beispielsweise vor kurzem das Werkbuch zum Strategieprojekt „VHS 2020“ veröffentlicht. Dies konnte nur gelingen, indem das Interesse der Einrichtungen gewonnen, die Vernetzung gestärkt und mit den verschiedenen Einrichtungen kooperiert worden ist. Es wird erneut der Wunsch nach Partizipation laut, die Politik sollte mit den Akteuren zusammen arbeiten.
Antje Schmidt hingegen spricht sich deutlich für den Widerstand aus und berichtet von den eigenen Erfahrungen mit dem Altonaer Museum. In Hinblick auf die drohende Schließung des Museums, sind sie und ihre Kollegen den Widerstand auf verschiedenen Ebenen angegangen: auf fachlicher, wissenschaftlicher Ebene mit einem Kongress zur Bedeutung des Altonaer Museums, spartenübergreifend zusammen mit dem Thalia Theater und direkt im Gespräch mit den Menschen beim Unterschriftensammeln.
Auch Reinhard Take kennt das Spannungsfeld zwischen Widerstand und Anpassung und berichtet von der schwierigen Situation der Stadtgalerie Kiel, in der mit wenigen Mitteln hochkarätige Ausstellungen auf die Beine gestellt werden.
Das Fortbestehen vieler Soziokultureller Zentren ist ebenfalls nicht gesichert. Zwei Drittel der Mitarbeiter sind ehrenamtlich tätig, nur 5% sind vollsozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Häuser sind oft in desolatem Zustand, der Wegfall von Häusern geschieht meist geräuschlos und wird kaum wahrgenommen.
Das Theater Kiel profitiert von einer effizienten Theaterfinanzierung der Landeshauptstadt. In Zeiten knapper Mittel hat das Theater Kiel sein Programm bewusst erweitert und erfreut sich dank dieser Strategie steigender Besucherzahlen. Es wird betont, dass der Politik die gesellschaftliche Bedeutung von Kunst und Kultur deutlich gemacht werden muss, der Dialog zwischen Kultur und Politik sei in den letzten Jahren eingeschlafen.
Kultureinrichtungen müssten spartenübergreifend noch stärker kooperieren, um nicht nur finanziell, sondern auch inhaltlich Synergieeffekte zu nutzen. Kulturmarken könnten auf diese Weise gestärkt werden. Kultur muss zugänglich sein und alle Menschen im Land erreichen, das ist vor allem Aufgabe der kulturellen Bildung.
Auf die Frage nach der Bedeutung ehrenamtlicher Tätigkeit im Kulturbereich wird deutlich, dass das Ehrenamt unverzichtbar für die meisten Kulturinstitutionen ist, jedoch können viele Menschen ehrenamtliche Tätigkeit nicht mehr leisten, daher müssten neue Strategien entwickelt werden, um ehrenamtlich Tätige zu unterstützen. Dabei dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass ehrenamtliche Tätigkeit nicht die hauptamtlich Beschäftigten ersetze.
Abschließend äußern die Beteiligten noch Wünsche und Ideen an den Minister für Bildung und Kultur, Dr. Ekkehard Klug, in Hinblick auf dessen Kulturkonferenz am 30. September 2011. Kultureinrichtungen dürften nicht nur als Kostenstelle betrachtet werden, sondern die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung müsse erkannt werden. Es wird Planungssicherheit gefordert, indem gemeinsam nachhaltige Schwerpunkte konzipiert werden, die über einen Doppelhaushalt hinausgehen. Da die Konferenz leider erst am Ende der Legislaturperiode erfolgt, sollen Impulse für die kommende Landesregierung formuliert werden, um die kulturelle Vielfalt zu erhalten.

 

Die Diskussion ist mit der Veranstaltung „Kultur macht mobil“ natürlich noch lange nicht abgeschlossen, der Abend sollte Impulse geben und den Dialog zwischen Kultur und Politik weiter beleben und voranbringen. Die nachfolgende Diskussion muss zielgerichtet und auf verschiedenen Ebenen geführt werden. Langfristige Planungssicherheit für Kulturinstitutionen muss geschaffen werden, gleichzeitig darf die Debatte über kulturelle Inhalte und Qualität nicht ausgeblendet werden.

Landeskulturverband, Kulturforum und Kulturpoltische Gesellschaft möchten mit ihrem Aufruf zur Allianz für Kunst und Kultur in Schleswig-Holstein die kulturellen Kräfte im Lande bündeln und sich auf gemeinsame Grundsätze verständigen, an denen sich die politischen Mandatsträger orientieren sollten. Die Kulturschaffenden im Land sind aufgerufen, sich zu der Allianz zu äußern und sich an der Diskussion zu beteiligen. Die Mitwirkenden freuen sich auf Reaktionen!

 

Eine Dokumentation von Katharina Perrey

Die Veranstaltung fand mit freundlicher Unterstützung der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein statt.